Bundestagswahl 2025
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Nach der Bundestagswahl Rückzug der Ampel-Gesichter
Scholz, Lindner, Habeck: Die Gesichter der Ampel verlassen die erste Reihe. Mit ihnen gehen diejenigen von der Bühne, die die Politik im Land zuletzt maßgeblich geprägt haben. Was bleibt, wer kommt?
Mittwochmittag haben sich die neu gewählten Abgeordneten der Grünen zu ihrer konstituierenden Sitzung im Bundestag getroffen. Vor dem Saal liegen Zettel aus. "Beitrittserklärung" steht darüber. Der Noch-Wirtschaftsminister und die ehemalige Kanzler-Hoffnung Robert Habeck hatte es offengelassen, ob er überhaupt das Bundestagsmandat annimmt. Zu schlecht war das Ergebnis seines "perfekten Wahlkampfes", wie er es am Montag noch formulierte: "Das Angebot war super, aber die Nachfrage war nicht so dolle." Es wirkte nicht so, als würde er seinen eigenen Worten glauben. Das Gesicht müde.
Doch heute scheint sein Elan etwas zurück. Ohne großes Zögern unterschreibt er seinen Beitritt zur Fraktion, spendiert seinen Kollegen eine Runde Lakritzschnaps und verschwindet im Anschluss schnell mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht.
250.000 Unterschriften für Habeck-Petition
Stimmungsaufhellend könnte bei ihm unter anderem eine Online-Petition gewirkt haben, die ihn auffordert, nicht der Politik den Rücken zu kehren. Mehr als 300.000 Unterzeichner wollen, dass er bleibt, in welcher Funktion auch immer. Viele attraktive Posten gibt es in der Opposition im Bundestag nicht: Fraktionsvorsitz und Vizepräsident des Bundestags. Habeck bringt sich für beides nicht ins Spiel.
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Beim Gruppenbild mit der neuen Grünen-Fraktion steht Habeck in der Mitte. Was seine künftige Rolle sein wird, ist noch unklar.
Anders ist das bei Annalena Baerbock. Auch Ricarda Lang ist wieder im Gespräch. Sie hat den Vorteil, dass sie den Parteivorsitz früh genug abgab, um mit den vergeigten Wahlen nicht in Verbindung gebracht zu werden. Und noch eins spricht für Lang: Sie vereint eine große Followerschaft in den sozialen Netzwerken und die Fähigkeit, authentisch Position zu beziehen. Das können nicht viele bei den Grünen von sich behaupten. Doch weder Britta Haßelmann noch Katharina Dröge machen irgendwelche Anstalten, auf den Fraktionsvorsitz zu verzichten. Auch sieht es nicht so aus, als ob Katrin Göring-Eckardt den Platz als Bundestagsvizepräsidentin freimachen werde. Gesetzt ist allerdings noch nichts.
Keine Führungsreserve bei der SPD
Ein paar Meter weiter im Bundestag trifft sich auch die SPD-Fraktion. Olaf Scholz wirkt etwas verlassen. Die Kameras haben sich abgewendet. Lars Klingbeil steht im Fokus - nun auch als Fraktionsvorsitzender. Es wird gratuliert, geherzt. Ausgerechnet Klingbeil, der als Parteivorsitzender an diesem historisch schlechtesten Wahlergebnis keine untergeordnete Rolle spielt. Auch wenn es heute anders wirkt, es gibt sie durchaus, die Stimmen, die darüber irritiert sind.
Doch die Alternativen sind überschaubar. Diese Schwäche zeigte sich bereits, als Kevin Kühnert als Generalsekretär unerwartet zurücktrat. Die Nachfolgesuche war herausfordernd. Die Geschlossenheit der Partei in zentralen Fragen hat die SPD nach außen hin als besonders einig dastehen lassen, doch nach innen konnten sich so zu wenig markante Köpfe mit frischen Ideen, Meinungen und Haltungen entwickeln, die tatsächlich als Gegenpol zur Regierungslinie von Scholz wahrgenommen wurden.
Nur bei den Jusos, den jungen Sozialdemokraten, stach einer mit Kritik hervor: ihr Vorsitzender Philipp Türmer, wobei das für die Jusos auch nicht so ungewöhnlich ist.
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Lars Klingbeil ist nun neuer Fraktionschef, er übernimmt von Rolf Mützenich. Kanzler Scholz möchte sich an der Bildung der neuen Regierung nicht beteiligen.
Die FDP am Boden
Noch gedrückter war die Stimmung nur bei den Liberalen. Eine Fraktion in Liquidation, wie es offiziell heißt. Zum vorerst letzten Mal stellen sich die Reporter vor dem FDP-Saal auf für das letzte Treffen der Noch-Mitglieder. Die meisten gehen wortlos an den Journalisten vorbei.
Einer lässt sich erst gar nicht blicken: Christian Lindner. Keiner hat das Gesicht der liberalen Partei in den vergangenen Jahren so geprägt wie er. Auch dieser Wahlkampf war auf ihn zugeschnitten. Das vorläufige Wahlergebnis war noch nicht verkündet am Sonntagabend, da kündigte der bisherige Parteivorsitzende bereits seinen Rückzug an. Was nun kommt? Offen. "Ich bin jetzt Privatmann, ich bin nicht verpflichtet, Ihnen zu meinen familiären Verhältnissen Auskunft zu geben", sagte er lachend am Montag.
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Ein letztes Treffen: Die FDP muss ihren Fraktionssaal im Reichstagsgebäude nun räumen.
Andere müssen nun die Scherben aufkehren, nur wer? Marco Buschmann und Johannes Vogel schmeißen hin, Volker Wissing hat das Schiff bereits im Sinkflug verlassen. Am Fraktionsvorsitzenden Christian Dürr klebt eigentlich das Scheitern der Ampel. Ein Neustart mit ihm scheint schwer vorstellbar. Bleiben Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Wolfgang Kubicki. Letzterer wollte sich eigentlich zur Ruhe setzen, änderte aber nun seine Entscheidung. Offenbar aus Mangel an Alternativen. "Alles, was ich dazu tun kann, den Aufstieg der FDP wie Phoenix aus der Asche zu bewirken, werde ich tun", sagte Kubicki. Leicht werde es nicht.